wir wollen nicht besser leben, wir wollen gut leben

der satz stammt nicht von mir. er stand 2009 auf dem weltsozialforum in belém – aufruf zum guten leben, im rückgriff auf ein andines konzept, das dort seit jahrhunderten existiert: buen vivir. leben im einklang mit gemeinschaft und natur, nicht auf kosten anderer.

der unterschied zwischen "besser" und "gut" ist der unterschied zwischen vergleichen und ankommen. "besser" kennt kein ziel, nur eine richtung – man kann immer noch besser leben, wie man immer noch mehr verdienen kann. "gut" ist ein zustand. erreichbar. fertig.

was "gut" heißt, wird selten gefragt. stattdessen bekommen wir vorgesetzt, was wir angeblich brauchen – von werbung, von einem system, das ohne erzeugtes wollen kollabiert. ivan illich hätte dazu "konvivial" gesagt: werkzeuge, die die eigene energie schützen, statt sie zu fesseln. konvivialität statt steigerung – im werkzeug wie im leben.

objektiv geht es uns hier in mitteleuropa gut. materiell. aber "gutes leben" im sinne von buen vivir heißt eben: nicht auf kosten anderer. und genau das ist unser leben nicht. was wir erreicht haben, ist bestenfalls "besser leben" – besser als der rest, auf kosten des rests.

die aufgabe ist doppelt. erstens: aufhören, das erreichte mit "immer besser" zu verwechseln – zufrieden sein können mit dem, was reicht. zweitens: den anderen dasselbe ermöglichen, ohne dass unser "gut" weiter ihr "schlecht" finanziert.

wir wollen nicht besser leben, wir wollen gut leben. oder wie meine schwiegermutter sagt: "mir san zfriedn."

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