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januar 2026. oxfam veröffentlicht, wie jedes jahr pünktlich zum weltwirtschaftsforum in davos, seinen ungleichheitsbericht. die zahlen sind nicht neu, aber sie werden jedes jahr größer. 2025 ist das vermögen der milliardär weltweit um 2,5 billionen us-dollar gewachsen — in einem einzigen jahr. dieser zuwachs allein entspricht fast dem gesamten vermögen der ärmsten hälfte der weltbevölkerung. also von mehr als vier milliarden menschen. seit 2020 ist das gesamtvermögen inflationsbereinigt um mehr als 80 prozent gestiegen. (oxfam, jänner 2026)
in österreich schaut das so aus: mark mateschitz, red-bull-erbe, besitzt laut bloomberg billionaires index ein vermögen von rund 30 milliarden us-dollar. (bloomberg) die zehn reichsten personen und familien im land — darunter porsche/piëch, georg stumpf, johann graf — sind zusammen in den vergangenen 20 jahren siebenmal reicher geworden. sieben von zehn davon sind erb:innen. (momentum institut, 2025) die reichste einzelperson im land besitzt 126.000-mal so viel wie eine durchschnittsperson. jeder einzelne der top-10-milliardär:innen besitzt mehr als alle 650.000 haushalte des untersten vermögensfünftels zusammen.
gleichzeitig werden in österreich seit anfang 2026 die sozialhilferegeln quer durch die bundesländer verschärft. in wien verlieren knapp 10.000 subsidiär schutzberechtigte menschen ihren anspruch auf mindestsicherung. rund 13.000 "dauerleistungsbezieherinnen" verlieren durch die neuen wohnkostenanrechnungen bis zu 3.000 euro pro jahr. (neunerhaus, november 2025) in oberösterreich werden sanktionsstufen verschärft, in der steiermark drohen ab märz geldstrafen von 200 bis 4.000 euro bei verstößen gegen die "bemühungspflicht" — dazu kommen ersatzfreiheitsstrafen. das bundesweite doppelbudget 2025/26 hat den kinderzuschlag für arbeitslose und sozialhilfebezieherinnen — 60 euro monatlich — auslaufen lassen. der entsprechende budgetposten wird 2026 auf null gestellt, nachdem 2024 noch 269,7 millionen euro ausbezahlt worden waren. (parlament österreich, juni 2025)

man sagt: das geld fehlt. man sagt: wir müssen sparen. man fragt nicht: wo ist das geld eigentlich?

das reichste ein prozent der österreichischen haushalte besitzt 40 prozent des gesamten vermögens — in keinem anderen westeuropäischen land ist vermögen so ungleich verteilt. österreich ist bei vermögensbezogenen steuern oecd-schlusslicht: knapp ein prozent der steuereinnahmen, während der schnitt fünfmal so hoch liegt. würde österreich nur auf diesen schnitt anheben, brächte das rund acht milliarden euro pro jahr. (ögb, dezember 2025) eine erbschaftssteuer gibt es nicht — obwohl sich laut umfragen zwei drittel der bevölkerung dafür aussprechen. (arbeiterkammer)

das hat auch eine politische dimension. superreiche sichern sich mit ihrem vermögen nicht nur wirtschaftliche macht, sondern zunehmend auch politischen einfluss: durch medienbesitz, lobbyarbeit, direkte zugänge zu entscheidungsträger:innen. oxfam beschreibt das im aktuellen bericht als systematisches aushöhlen der demokratie. (oxfam, jänner 2026) in den usa ist das mit elon musk und seinen tech-bros und trump gerade sehr sichtbar — aber das prinzip gilt auch in kleineren demokratien: wer genug kapital konzentriert, kann regeln mitschreiben. und wer regeln mitschreibt, sorgt dafür, dass sein vermögen weiter wächst. der kreislauf ist selbstverstärkend. eine demokratie, in der ein mensch 126.000-mal so viel besitzt wie der durchschnitt, ist eine demokratie unter strukturellem druck.

ich arbeite als krankenpfleger. ich sehe, was kürzungen im sozialsystem bedeuten — nicht als abstrakte haushaltszahl, sondern als konkrete verschlechterung für menschen, die ohnehin wenig spielraum haben. das problem ist nicht, dass kein geld da ist. das problem ist, wo es sich befindet — und dass eine politik, die 60 euro kinderzuschlag streicht, gleichzeitig keine vermögenssteuer einführt und das als haushaltsdisziplin verkauft.