februar 2026. der nationalrat lehnt die wiedereinführung einer erbschaftssteuer auf hohe vermögen ab. mehrheitlich, mit den stimmen von övp, fpö und neos. (parlament österreich, februar 2026) die debatte ist nicht neu, aber sie wird lauter — angetrieben durch budgetdefizit, wachsende ungleichheit und die frage, wer eigentlich für die sanierung zahlt. die argumente auf beiden seiten sind es wert, ernst genommen zu werden.
pro - vier von fünf der reichsten österreicher _innen haben ihr vermögen geerbt. erbschaften und schenkungen verursachen 40 prozent der gesamten vermögensungleichheit im land. (moment.at) arbeitseinkommen wird mit bis zu 55 prozent besteuert — eine milliardenschwere erbschaft bleibt steuerfrei. die erb_in hat darauf noch keine steuern gezahlt; das doppelbesteuerungsargument gilt für die falsche person. werner kogler nannte das im nationalrat eine der "größten gerechtigkeitslücken in diesem land" — und zwar nicht nur sozial, sondern auch aus sicht der leistungsgerechtigkeit. (parlament österreich, februar 2026) betroffen wären bei den diskutierten modellen laut ak weniger als ein prozent aller erbfälle — freibeträge ab einer million euro sind standard. (arbeiterkammer, februar 2026)
dazu kommt eine dimension, die über steuerpolitik hinausgeht: dynastisch weitergereichte milliardenvermögen erzeugen politische macht. wer medien besitzt, lobbyarbeit finanziert und direkten zugang zu entscheidungsträger*innen hat, kann regeln mitschreiben — und sorgt dafür, dass diese regeln das eigene vermögen schützen. oxfam beschreibt das im ungleichheitsbericht 2026 als systematische gefährdung demokratischer strukturen. (oxfam, jänner 2026) eine erbschaftssteuer auf große vermögen wäre also nicht nur eine frage der verteilungsgerechtigkeit, sondern auch ein instrument gegen die verfestigung von machtkonzentration über generationen. und das auseinanderdriften von arm und reich hat noch eine weitere folge: wer das gefühl hat, dass das system für andere gemacht wird, wendet sich von ihm ab. eine studie der humboldt-universität berlin, zeigt empirisch: wer mit informationen über tatsächliche vermögensungleichheit konfrontiert wird, entwickelt stärker populistische einstellungen. (forschung-und-lehre.de, märz 2026)
contra - die industriellenvereinigung und övp argumentieren, eine erbschaftssteuer treffe familienbetriebe bei der übergabe und gefährde den wirtschaftsstandort. fpö und neos sehen darin ein signal gegen privateigentum und langfristige vermögensbildung. ein weiterer einwand: wer sein leben lang spart und etwas aufbaut, hat das recht, es weiterzugeben — staatlicher zugriff im todesfall greife in eine persönliche entscheidung ein, die über reine steuerpolitik hinausgeht. (5min.at, februar 2026)
was mich dabei beschäftigt: das argument der betriebsgefährdung ist legitim — aber es rechtfertigt ausnahmen, keine generelle ablehnung. und die frage, warum eine gesellschaft, in der zwei drittel der bevölkerung eine vermögenssteuer befürworten, seit 2008 keine hat, ist letztlich keine moralfrage mehr. sie ist eine machtfrage.