kurzfristig

im kapitalismus scheint es kein langfristig zu geben. alles muss sofort wirken: quartalszahlen, jahresbilanzen, break-even innerhalb weniger jahre. was sich nicht in absehbarer zeit "auszahlt", findet keine investoren. egal ob wie sinnvoll oder nicht.

das ist kein zufall, sondern folgt aus der logik des systems selbst. ulrike herrmann zeigt in "das ende des kapitalismus", warum: kapitalismus ist auf stetiges wachstum angewiesen, um stabil zu bleiben – ohne expansion bricht er zusammen. genau deshalb kann er sich lange investitionszyklen ohne baldige rendite kaum leisten; der kurze zeithorizont ist keine schlechte gewohnheit, sondern strukturzwang. grünes wachstum, so herrmann, ist dabei eine illusion: ökostrom allein reicht nicht aus, um eine wachsende weltwirtschaft anzutreiben, effizienzgewinne werden durch rebound-effekte wieder aufgefressen. ihr schluss: die industrieländer müssen "grün schrumpfen", nach dem vorbild der britischen kriegswirtschaft ab 1939.

kohei saito geht in "systemsturz" weiter: für ihn ist kapitalismus per definition ein system konstanten wachstums – eine wirtschaft, die schrumpfen muss, kann seiner analyse nach nicht kapitalistisch bleiben. sein degrowth-kommunismus setzt auf commons statt privatem wachstumszwang: nicht mehr produzieren, was profit bringt, sondern was menschen brauchen.

damit lässt sich der befund vom anfang neu lesen: die kurzfristigkeit, die wir täglich erleben, ist keine reformierbare unart des managements. sie ist der kapitalismus selbst, der sich seine eigene grundlage – wachstum auf einem endlichen planeten – gerade entzieht.

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