ist es realistisch, die hälfte der erde der natur zu überlassen? nichts, was die welt für die menschen retten könnte, halte ich für realistisch. aber egal — ich finde die idee reizend.
der half-earth-ansatz wurde von edward o. wilson erstmals 2016 in dem gleichnamigen buch formuliert. die hälfte der erdoberfläche soll dem menschlichen zugriff entzogen werden. es geht natürlich nicht um eine halbkugel, sondern um vernetzte schutzgebiete, die zusammen die hälfte der erdoberfläche ausmachen. damit soll die biodiversität erhalten werden — soweit sie überhaupt noch vorhanden ist.
ich bin mir sicher, dass gravierende veränderungen notwendig sind, um die erde in einem zustand zu halten, der das überleben der menschheit ermöglicht. über diese veränderungen denke ich gerne nach.
allerdings bin ich mittlerweile so pessimistisch, dass ich glaube: alles, was uns heute einfällt, wird zu dem zeitpunkt, an dem es tatsächlich umgesetzt wird, längst viel zu wenig sein. darum muss man viel größer denken.
es ist nicht leicht zu verdauen, dass die lebensweise, die wir im globalen norden führen und die man sich im globalen süden ebenso wünscht, unweigerlich ins verderben führt. für alle. dass daher gerade wir, die wir dem globalen süden die wurst vor die nase gehalten haben, zuerst damit anfangen müssen, alles radikal zurückzufahren, was dem planeten schadet. und das wird erst passieren, wenn es schon — vielleicht — zu spät ist.
und dann heißt es "full earth".
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